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Neue Eigentümer und alte Verschwörungstheorien bei Atomic

11. März 2019, 08:00

Der Salzburger Standort soll ausgebaut, bis zu 20 Millionen Euro investiert werden. Um die Pleite des Skiherstellers ranken sich Mythen

Die Geschichte von Atomic hat Höhen und Tiefen. Wie fast jedes Unternehmen musste auch der Salzburger Skihersteller durch wirtschaftlich schwierige Zeiten gehen. Teile dieser Firmengeschichte – genauer gesagt die Insolvenz – sind bis heute Stoff für Verschwörungstheoretiker.

Rückblende ins Jahr 1994: Im September dieses Jahres übergibt der mit rund einer Milliarde Schilling (72,7 Millionen Euro) Schulden in Schwierigkeiten geratene Atomic-Eigentümer Alois Rohrmoser die Mehrheitsanteile von Atomic an ein Treuhänderkonsortium. Er selbst zieht sich aus der Geschäftsleitung zurück und übergeht damit die damalige Hausbank Bawag. Diese überlegt rechtliche Schritte gegen Rohrmoser und unternimmt diese später auch.

Chef schlägt Alarm

Es vergehen nur wenige Tage, bis es zum Krach kommt. Der interimistische Atomic-Chef Walter Wittmann schlägt Alarm: Die Bawag gefährde den Fortbestand des Unternehmens. Denn trotz voller Auftragsbücher wurden die Kredite zu Teil fällig gestellt. Atomic sei "akut gefährdet", weil nicht in der Lage, fällige Forderungen abzudecken und "überhaupt die Liquidität aufrechtzuerhalten", so Wittmann damals. Zwei Tage später schickt die Bawag Atomic in Konkurs, übernimmt das Ruder und gibt eine Bestandsgarantie für das Unternehmen ab. Atomic sei bei einem Jahresumsatz von 1,8 Milliarden Schilling mit 1,6 bis 1,7 Milliarden Schilling verschuldet. Rohrmoser will den Konkursantrag verhindern, indem er das Unternehmen an die Bawag abtritt, die Bank lehnt dies aber ab.

Am 16. September 1994 wird das Konkursverfahren am Landesgericht Salzburg eröffnet. Im Oktober lehnt das Oberlandesgericht Linz Rohrmosers Rekursantrag gegen den Atomic-Konkurs und ihn selbst ab. Mitte November verkauft die Bawag die Pongauer Firma für 919 Millionen Schilling an die finnische Amer-Gruppe.

Neue Sachverhaltsdarstellung

Damit ist das Kapitel Insolvenz für Atomic aber noch lange nicht vorbei. Vier Jahre später, im Februar 1998, übermittelt die Kriminalabteilung der Gendarmerie der Staatsanwaltschaft Salzburg eine Sachverhaltsdarstellung. Der Verdacht richtet sich gegen den Konkursrichter, den Masseverwalter, den damaligen Bawag-Chef Helmut Elsner und andere Bankmitarbeiter. Konkret: Im Insolvenzverfahren sollen 300 Millionen Schilling, die die Bawag erhalten hat, nicht zur Schuldenabdeckung berücksichtigt worden sein. Die Bank dementiert.

Im Juli stimmt das Justizministerium dem Vorhaben der Staatsanwaltschaft zu, das Verfahren gegen die Bawag einzustellen. Auch das ist noch nicht das Ende dieses Stücks der Firmengeschichte. Denn Rohrmoser will im März 1999 eine Neuaufnahme des Verfahrens mittels Subsidiarantrag erreichen. Bis zu seinem Lebensende im Februar 2005 hat Rohrmoser die Atomic-Pleite bekämpft. Er gab in Interviews zwar zu, mitschuldig an den Problemen des Unternehmens zu sein, der Konkurs sei seines Erachtens aber nie nötig gewesen. Jemand wollte seinen Bankrott erreichen, betonte er stets.

Im Raum stand auch der Vorwurf, Rohrmoser hätte seinen Besitz (landwirtschaftlicher Grund, Wald, Schloss Höch, Kleinkraftwerke) mit Bawag-Krediten an Atomic aufgebaut. Auf diesen Besitz hat die Bawag zugegriffen.

Verdacht keimt immer wieder auf

Aber auch die Bank erntete in dieser Causa viel Kritik. Die einen warfen der Bawag ein zu spätes Eingreifen vor, andere meinten, die Bank hätte Atomic durch Finanzierungen von sich abhängig gemacht. Im Dezember 2003, mehr als neun Jahre nach Konkurseröffnung, wird das Verfahren abgeschlossen. Im März 2006 gelangte eine Quote von 73 Prozent zur Auszahlung – Insider sehen die hohe Quote als Indiz dafür, dass der Konkurs unnötig gewesen sei.

Immer wieder wurde auch danach der Verdacht erhoben – etwa 2006 von Anwalt Werner Masser -, die Bawag habe Atomic und Rohrmoser in den Konkurs gejagt, um im Insolvenzverfahren Verluste aus Karibikgeschäften zu verschleiern. Diese Vorwürfe wurden später auch im Bankenuntersuchungsausschuss und im Bawag-Prozess erörtert. Im Dezember 2012 hat sich die Bawag von ihren letzten Atomic-Anteilen (fünf Prozent) getrennt und diese an den finnischen Mehrheitseigentümer Amer verkauft.

Da Amer vergangene Woche zur Gänze vom chinesischen Sportartikelkonzern Anta Sports übernommen wurde, gehört auch der heimische Skihersteller den Chinesen. Michael Schineis, Ex-Atomic-Chef und nun Präsident für Wintersport im Amer-Konzern, spricht von einem "großen Meilenstein" in der Firmengeschichte. Für Atomic selbst soll die Übernahme vorerst keine Auswirkungen haben. Trotz der neuen Eigentümer bleibe Amer ein eigenständiges Unternehmen. Bei Atomic soll es heuer und 2020 Investitionen von bis zu 20 Millionen Euro geben. Damit beginnt ein neues Kapitel in der Firmengeschichte. (Bettina Pfluger, 11.3.2019)