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Stefan Ruzowitzky über seine Serie "8 Tage" und den Weltuntergang

14. März 2019, 07:45

Doris Priesching spricht mit dem Oscar-prämierten Regisseur über seine Serie bei Sky, Angst vor der Apokalypse, den Serienboom und warum sich Künstler dosiert zur Politik äußern sollten

Mit 8 Tage stieg der Regisseur Stefan Ruzowitzky ins Seriengeschäft ein und wurde gleich mit einer überraschenden Tatsache konfrontiert: Aufgrund des Serienbooms herrscht in den Produktionsbetrieben mitunter akuter Personalmangel. Besonders in Deutschland steigt die Nachfrage nach Arbeitskräften für die Umsetzung der begehrten Waren. Fachpersonal wird quer über die Grenzen gesucht.

Im Podcast mit Doris Priesching erklärt Ruzowitzky, warum er beim Weltuntergang entweder fliehen oder grillen würde, warum der Serienboom für Filmschaffende trotz Personalnot für ihn eine wunderbare Sache ist und warum es notwendig ist, dass sich Künstler zur aktuellen Politik im Land äußern – aber in dosierten Raten.

Aber hören Sie selbst: Regisseur Stefan Ruzowitzky über 8 Tage im STANDARD-Podcast Serienreif:

In der Serie 8 Tage droht auf Sky ein Kometeneinschlag Europa zu zerstören. Eine Gruppe Menschen kämpft ums Überleben, acht Folgen lang geht es drunter und drüber.

STANDARD: Wie geht's dem österreichischen Film?

Ruzowitzky: Durch diesen Serienboom hat jeder irre viel zu tun. Egal ob Schauspieler, Beleuchter, Regieassistenten – alle haben volle Auftragsbücher. In Berlin gibt es zum Teil keine Regieassistenten mehr, und man fliegt die dann ein aus der ganzen Welt. Es ist eine Goldgräberstimmung, und man versucht in Österreich, da einen Anteil hierherzubringen. Bei Sky gibt's auch enge Budgets, und man muss auch sparen und fürchterlich viel drehen pro Tag. Aber man kann tolle Dinge machen. Was passiert, ist ein Paradigmenwechsel. Ich habe nicht wie beim herkömmlichen Fernsehen oder Kino diesen Quotendruck und muss dadurch nicht versuchen, den kleinsten gemeinsamen Nenner zu finden.

Diese Plattformen sagen: "Macht uns etwas Besonderes, wir wollen auffallen." Und die haben auch im Gegensatz zu Vollprogrammen nicht so ein beleidigtes Stammpublikum, das sagt: "Was, am Samstag um 20.15 Uhr krieg' ich das zu sehen? Frechheit, ich ruf an und beschwer' mich!"

Das ist für uns Kreative eine wunderbare Voraussetzung, und es ist für uns auch wunderbar zu sehen, dass die öffentlich-rechtlichen Sender da mitziehen müssen. Sie können nicht hockenbleiben und sagen, wir machen weiter unser betuliches Programm für ein älteres Publikum, das nicht aus den Fernsehsesseln fallen möchte. ARD und ZDF spielen diese Serien nach, und dadurch ändert sich die Fernsehlandschaft fundamental.

cinema playground

STANDARD: Was würden Sie tun, wenn die Welt in acht Tagen unterginge?

Ruzowitzky: Ich würde schon am ehesten zu fliehen versuchen. Ich bin ein großer Organisator, und wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe und mir vornehme, ich will nach Amerika oder Russland, dann schlage ich mich da durch, um die Familie zu retten – mit allen lauteren und unlauteren Mitteln. Wenn der Meteorit so groß ist und danach alles kaputt, dann glaube ich, dass ich halbwegs eine Gelassenheit hätte.

Ich bin nicht mehr der Jüngste und hätte nicht das Gefühl, dass ich mein Leben noch nicht gelebt habe, dass ich die Träume meiner Jugend nicht verwirklicht habe und ein fades Leben ohne Höhepunkt gelebt hätte. Das ist nicht der Fall. Ich habe mein Leben gelebt, und es war gut. Wenn ich weiß, demnächst fliegt alles in die Luft, hätte ich gern die Gelassenheit, mich in den Garten zu setzen, zu grillen, mit Freunden und Familie zusammen zu sein und nicht hysterisch durchzudrehen. Aber wahrscheinlich wäre es in Wirklichkeit dann doch ganz anders. Immerhin kann man sich einbilden, das durchzuziehen.

Regisseur Stefan Ruzowitzky.
foto: apa / hans putz

STANDARD: Was kommt am neunten Tag?

Ruzowitzky: Wir haben am Schluss noch an einer gemeinsamen Regiefassung gearbeitet und noch andere Schwerpunkte gesetzt. Eine der Hauptfiguren ist Physiklehrer. Er hat noch diesen Optimismus und plant für danach: Wir haben die Chance, etwas Einmaliges, Tolles aufzubauen. Man sieht dann allerdings sehr schnell, so neu und so toll wird das auch nicht werden. Für mich kommt nach 8 Tage die Hesse-Verfilmung Narziss und Goldmund, mein nächster Kinofilm. Da bin ich gerade am Schneiden.

Luisa-Céline Gaffron als gefährliches Mädchen in "8 Tage" von Stefan Ruzowitzky auf Sky.
foto: sky/neuesuper/stephan rabold

Mehr hören Sie im STANDARD-Podcast Serienreif, Folge 25. Gute Unterhaltung! (Doris Priesching, 14.3.2019)

Über den Podcast

"Serienreif" ist der Podcast über Seien und alles, was dazu gehört. Redaktion: Doris Priesching, Daniela Rom, Anya Antonius | Produktion: Zsolt Wilhelm