Foto: AP/ Antonio Calanni

"Deswegen bin ich da"

13. März 2019, 14:32

Der Portugiese schoss Juventus quasi im Alleingang ins Viertelfinale. Schalke dagegen liegt nach einer Lehrstunde in Manchester am Boden

Col de Turini / Manchester – Der Dienstagabend ist in der Champions-League nicht nur im Zeichen eines entfesselten Manchester City gestanden, sondern auch von Juves Dreifachtorschützen Cristiano Ronaldo. "Deswegen bin ich da", sagte der Portugiese nach dem 3:0-Heimsieg über Atletico Madrid und dem Aufstieg ins Viertelfinale. "Um Dinge zu schaffen, die zuvor nie gelangen."

Achter Hattrick in der Königsklasse

Vermutlich hatten Juventus' Verantwortliche tatsächlich Nächte wie diese im Sinn, als sie im Sommer 112 Millionen Euro für den Portugiesen hinblätterten. Dieser holte das 0:2 aus dem Hinspiel quasi im Alleingang auf und schoss das enttäuschende Atletico aus dem Bewerb. Es war sein achter Hattrick in der Königsklasse, womit er mit Lionel Messi gleichzog. In der K.-o-Phase der Champions League hält er nun bei 63 Treffern – 23 mehr als jeder andere. "Es sollte ein besondere Nacht werden, und das war sie auch", meinte Ronaldo. "Aber nicht nur wegen meiner Tore, sondern auch wegen unserer Einstellung. Das ist die Mentalität, die du brauchst, um die Champions League zu gewinnen."

Für Atletico entwickelt sich Ronaldo zum Albtraum. Schon im Real-Trikot hatte er 22 Tore in 31 Spielen gegen den Stadtrivalen erzielt, nun kamen drei weitere hinzu. "Er ist der Beste der Welt. Wir haben gelitten wie Juve im Hinspiel. Sie sind weiter, und das ist verdient", sagte Diego Simeone. Der Atletico-Coach musste sich zudem gewissermaßen den Spiegel vorhalten lassen: Seine drei Treffer feierte der Portugiese mit jenem beidhändigen Griff in den Schritt, den Simeone beim Hinspiel gezeigt hatte. Der hatte dafür eine Geldstrafe von 20.000 Euro zahlen müssen.

Spielrausch vs. Katerstimmung

Ganz ohne obszöne Geste kam Manchester-City-Coach Pep Guardiola nach der 7:0-Demütigung von Schalke 04 aus. "Die zweite Hälfte war unglaublich", sagte Guardiola, auf dessen Kollegen Domenico Tedesco in Deutschland schwere Zeiten zukommen. Während sich City in der zweiten Hälfte "teilweise in einen Rausch" (Guardiola) spielte, konnte Schalke nur bis zum 0:1 durch einen Foulelfer Sergio Agueros Paroli bieten. Spätestens nach dem 0:3 zur Pause hatten die Deutschen, die in der Bundesliga gegen den Abstieg kämpfen, resigniert. "Spaß hat es heute wahrscheinlich nur für eine Mannschaft gemacht", sagte Tedesco. "Bis zur 30. Minute war es okay. Dann kriegen wir einen Elfmeter, und dann sacken wir zusammen. Das war der größte Spannungsverlust, den ich je als Trainer erlebt habe."

Gleichwohl fühle er sich weder von seiner Mannschaft im Stich gelassen, noch ziehe er persönliche Konsequenzen. Einen Rücktritt schloss er aus. "Ich habe keine Sekunde daran gedacht", betonte Tedesco, dessen Team am Samstag von Leipzig gefordert ist. Vier Punkte sind Guido Burgstaller und Co noch von einem Abstiegsplatz entfernt. "Wir waren in jeder Hinsicht deutlich schlechter. In der Situation, in der wir uns derzeit befinden, ist es nicht leicht, gegen einen solchen Gegner anzutreten", sagte Burgstaller, der in der 79. Minute "erlöst" wurde, zu Sky. "Wir müssen das Spiel jetzt abhaken und so schnell wie möglich vergessen."

Starke Inselkicker

Englands Zeitungen handeln City, das bereits dritte englische Team im Viertelfinale – Liverpool könnte zudem am Mittwoch noch nachziehen –, nun als Titelfavoriten. "Es ist erst das dritte Mal in Citys Geschichte, dass der Verein das Viertelfinale der Champions League erreicht hat, aber nie machte er so sehr den Eindruck, dass er dort auch hingehört", schrieb der "Telegraph". (APA, Reuters, 13.3.2019)