Foto: APA/AFP/MARTY MELVILLE

Christchurch: Viraler Massenmord

Einserkastl |
15. März 2019, 18:07

Auffällig ist die Affinität von Rechtsradikalen zur technologischen Avantgarde bei gleichzeitiger Blut-und-Boden-Ideologie

Der Massenmörder von Christchurch hatte eine Kamera an seinem Helm montiert, nahm das Massaker in den beiden Moscheen auf und stellte es – alle 17 Minuten des Horrors – live ins Internet, wo es um den Erdball raste. Tausendfach geteilt, kopiert, verschickt, auf x Plattformen. Die Internetgiganten Facebook, Twitter, Youtube und ihre Algorithmen kamen nicht nach beim Löschen.

Wenn es in Auschwitz Internet gegeben hätte ... (Es gibt natürlich die Fotos; die unscharfen Aufnahmen von Massenexekutionen, aufgenommen von Wehrmachtssoldaten; und dieses eine gestochen scharfe von der alten Frau und den kleinen Kindern, die schicksalsergeben zwischen dem Stacheldraht in den Tod stapfen.)

Die neuseeländische Massakershow war geradezu darauf angelegt, im Netz viral zu werden. Auffällig ist die Affinität von Rechtsradikalen zur technologischen Avantgarde bei gleichzeitiger Blut-und-Boden-Ideologie. Das war schon bei den Nazis so.

Die Community machte bei der Verbreitung dieses Videos fleißig mit. Den meisten Menschen werden gar keine moralischen Bedenken gekommen sein, viele werden sich mit "Dokumentation" und/oder "Informationspflicht" ausreden.

Manche signalisierten so Zustimmung. Wenn eine massentaugliche Technologie einmal in der Welt ist, dann kann sie unweigerlich auch pervertiert werden. Das ist die Realität. (Hans Rauscher, 15.3.2019)