Foto: REUTERS/MARIO ANZUONI

Digitale Preisschilder: Technik der Zukunft oder Gefahr für Kunden?

18. März 2019, 19:30

Elektronische Preisschilder sind immer weiter verbreitet und haben viele noch ungenutzte Möglichkeiten. Konsumentenschützer üben Kritik

Wien – Wer beim Einkaufen genau hinsieht, kann sie leicht entdecken: Erste digitale Preisschilder haben bereits vor Jahren Einzug in die heimischen Supermärkte gehalten. Künftig könnten sie noch verbreiteter werden, denn die Möglichkeiten sind bei weitem nicht ausgeschöpft. Die Suche nach dem gewünschten Artikel kann beispielsweise durch die elektronischen Etiketten deutlich vereinfacht werden. Als Käufer ist es möglich, einfach in einer Smartphone-App ein Produkt anzuwählen und den Ort angezeigt zu bekommen. Kunden können zudem mit ihrem Smartphone weitere Informationen zu einem Produkt abrufen, beispielsweise eine Liste der Inhaltsstoffe oder Informationen für Allergiker. Händler wiederum können über die digitalen Schilder ihre Lagerverwaltung vereinfachen.

Das ist vorerst noch Zukunftsmusik. Viele Unternehmen nutzen die Preisschilder allerdings schon für die herkömmliche Preisanzeige, darunter Merkur, Billa und Saturn/Mediamarkt. Die größte Billa-Filiale in Neulengbach setzt vollumfänglich auf das System. Die Vorteile für die Händler liegen auf der Hand: Anstatt eines Mitarbeiters, der bei Preisänderungen alle Papieretiketten per Hand austauschen muss, kann das bei elektronischen Preisschildern mit einem Klick erledigt werden.

Marktführer aus Graz

Marktführend in der Entwicklung und Produktion der digitalen Preisschilder ist SES-Imagotag, ein in Graz gegründetes Unternehmen, das sich 2014 mit SES aus Frankreich zusammenschloss. Die Nachfrage in Europa, vor allem im deutschsprachigen Raum und Frankreich, steige rasant, sagt Fritz Hanzek, SEVP Central East Europe von SES-Imagotag. Die vielen Zusatzoptionen der digitalen Preisschilder seien technisch möglich, momentan aber mehr Theorie als Praxis. In Kombination mit dem Handy und der NFC-Technologie, bekannt vom kontaktlosen Bezahlen, können vielfältige Informationen zum Produkt angezeigt werden. "Alles, was online möglich ist, soll in Zukunft auch offline genutzt werden können, von Kundenrezensionen bis hin zum Crossselling", so Hanzek.

Konsumentenschützer kritisieren indes die Verwendung elektronischer Preisschilder und warnen vor "Flatterpreisen". Preise könnten mit der neuen Technik leicht an äußere Einflüsse angepasst und je nach Tageszeit oder Wetter erhöht oder gesenkt werden, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Hanzek verweist darauf, dass im deutschsprachigen Raum sowohl Kunden als auch Händler äußerst sensibel damit umgehen würden. Bisher würden Preise – wenn überhaupt – nach unten reguliert. Das unterscheide sich jedoch nach Ländern. In Irland herrsche zum Beispiel ein lockerer Umgang bei der Preissetzung nach äußeren Faktoren wie dem Wetter. (jugi, 18.3.2019)

Mehr zum Thema:

Artikel von Martin Stepanek auf futurezone: Das Preisschild der Zukunft ist elektronisch