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Rapid sucht Sinn und Würde

18. März 2019, 15:19

Das Scheitern in der Liga schädigt die Finanzen und das Image der Hütteldorfer. Peschek rechnet, Bickel reflektiert

Wien – Qualifikationsgruppe klingt nicht ganz so erniedrigend wie unteres Playoff. Das ist aber eine rein sprachliche, keine fußballerische Augenauswischerei. Rapid gehört also zu jenen sechs Teams, die nicht um den Titel kicken – Platz acht nach dem Grunddurchgang. Das 2:2 daheim gegen Hartberg war die Bestätigung des angekündigten Desasters. Immerhin wurde nicht um den lauwarmen Brei herumgeredet. Kapitän Stefan Schwab: "Einfach zu wenig." Die Pfiffe der Fans könne er nachvollziehen. "Sie haben recht." Nun gehe es um Würde. "Wir müssen unseren Mann stellen." Ihm, Schwab, sei das Scheitern ein Rätsel. "Denn wir haben mental viel gearbeitet."

Platz sieben ist das alternativlose Ziel, der würde ein Playoff um einen Europacupstartplatz bescheren. Rapid steht zudem im Cuphalbfinale, allerdings führt die Reise zum LASK, das klingt nach Bedrohung. Trainer Dietmar Kühbauer, der das Amt im Oktober von Goran Djuricin übernommen hatte, vertritt trotz des vorwöchigen 1:2 in Mattersburg die Ansicht, dass man es im Herbst vergeigt habe. Und er versprach: "Das untere Playoff wird nicht mehr passieren. Sie müssen sich zusammenreißen, denn ein lustiger Spaziergang wird das nicht."

Bickel reflektiert

Es wird in Hütteldorf geforscht, analysiert. Sportchef Fredy Bickel arbeitete im STANDARD auf, nannte Gründe für den GAU. "Im Sommer haben wir bei den Transfers zu viel riskiert. Da stehe ich in der Verantwortung." Eindrucksvoll nicht eingeschlagen haben: Ivan, Pavlovic, Alar, Knasmüllner, Potzmann, Barac, Martic.

Zudem, sagt Bickel, habe man die Auswirkungen des Europacups unterschätzt. "Man wollte unbedingt in die Gruppenphase, was ja legitim ist. Wir dachten, wir schlängeln uns irgendwie durch die Meisterschaft. Wir haben uns selbst unter Druck gesetzt und diesem in keiner Phase standgehalten. Wir haben es nicht verdient, oben mitzuspielen."

Rapid konnte nur einmal zwei Partien in Folge gewinnen. Er, Bickel, werde "nicht hinschmeißen. Ich muss mit den anderen wieder aufstehen." Wobei er die Sinnfrage stellen werde. "Ich bin ein Mensch, der reflektiert."

Peschek rechnet

Zum sportlichen Imageschaden gesellt sich ein finanzieller Verlust. Wirtschaftsvorstand Christoph Peschek rechnet mit Einbußen im niedrigen siebenstelligen Bereich. "Das ist Spekulation, es bleibt abzuwarten, ob uns Fans und Partner weiter die Treue halten." Was klar ist: Es wird einen Zuschauereinbruch geben, die Admira ist nicht die Austria, und Altach hat mit Red Bull Salzburg nur am Rande zu tun. Zudem sinken die Einnahmen aus dem TV-Vertrag.

Peschek: "Wir gingen bei all unseren Planungen von einer Top-drei-Platzierung aus. Mit diesem Szenario haben wir nicht gerechnet. Wir müssen den Schaden gering halten." Sollte sich Rapid nicht für den Europacup qualifizieren, "würde das in die nächste Saison wirken. Mit rund einer Million." Um die Liquidität müsse man sich aber keine Sorgen machen. Immerhin werden Prämien eingespart. "Ich hätte sie lieber ausbezahlt", sagt Peschek.

Am Mittwoch wird die Qualifikationsrunde gelost. Es gibt fünf Klubs, die sich über Rapids GAU freuen. Hartberg-Trainer Markus Schopp: "Sie bringen Zuschauer." (Christian Hackl, 18.3.2019)