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Sonderausgabe Arnautovic

19. März 2019, 17:47

Österreichs Fußballteam setzt zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen Polen und in Israel selbstverständlich auf Marko Arnautovic. Davor hat der fast 30-jährige Stürmer laut nachgedacht

Live-Ticker: Live: Österreich vs. Polen, Do., 20.45 Uhr

Es ist ein Naturgesetz, dass der Österreichische Fußballbund in der Vorbereitung auf ein Länderspiel oder auch zwei Länderspiele einen Medientermin mit Marko Arnautovic abhält. Die Meute lechzt nach Wuchteln, nach einem Kicker, der dem Einheitsbrei eine Absage erteilt. Arnautovic nimmt traditionell David Alaba und Aleksandar Dragovic mit, das sind echte Spezi, möglicherweise weit nach der Geburt vereinigte Drillinge.

Sie dürfen individuell befragt werden, wechseln im Konferenzraum des Hotels im Viertelstundentakt die Stationen. Ist der eine beim Fernsehen, hockt der andere bei den Zeitungen, spricht der Dritte ins Radiomikrofon. Es ist wie das Spielchen Reise nach Jerusalem, allerdings ohne Musik, die Zahl der Sessel wird vielleicht deshalb nicht reduziert.

Es wird nahezu schonungslos gefragt, die Antworten sind notgedrungen floskelhaft. Zum Beispiel sei es Ziel des Nationalteams, sich für die EM-Endrunde 2020 zu qualifizieren. Man könne gegen jeden Gegner bestehen, also auch am Donnerstag in Wien gegen Polen und am Sonntag in Haifa gegen Israel. Achtung: Natürlich sei Polen der Gruppenfavorit, aber das sei im Fußball ziemlich wurscht. Man müsse auf sich selbst schauen.

Arnautovic ist entweder gut oder weniger gut aufgelegt, sein Gemütszustand ändert sich sekündlich, er nimmt hingeworfene Hölzer jedenfalls auf. Man könnte meinen oder sich einreden, dass er diese Auftritte mag. Am 19. April wird er 30 Jahre alt, es werden dann im Idealfall 79 Länderspiele gewesen sein. Da drängt sich eine Art Zwischenbilanz auf.

Körperpflege

Arnautovic hält es mit dem Berufskollegen Zlatan Ibrahimovic, den er bei allem Respekt im Prinzip nicht wirklich braucht. Der mittlerweile 37-jährige Schwede hat einmal den epochalen Satz von sich gegeben: "Dein Alter steht auf dem Papier, aber nicht in deinem Körper." Arnautovic stimmt dem zu. "Mein Körper sagt, ich bin jung. Ich hab noch viel Zeit auf hohem Niveau vor mir. Ich muss mich halt gut pflegen. Ich lebe für den Fußball." Geburtstagswünsche hat er verraten, Frau und Bruder sollten ihm etwas Gescheites kaufen, die beiden Töchter etwas Liebes basteln. Von den österreichischen Tageszeitungen erwartet er Sonderausgaben mit je 80 Seiten Umfang. Die Namen sollten zwar nicht geändert, aber doch ergänzt werden. Zum Beispiel: Arnautovic Kronen Zeitung, Arnautovic Kurier, Die Arnautovic Presse, OÖ Arnautovic Nachrichten, die Kleine Arnautovic Zeitung und zu guter erst DER ARNAUTOVIC STANDARD. "Bemüht euch."

Bei West Ham United lief es zuletzt unrund, Arnautovic war krank und verletzt, verlor den Platz in der Startformation, der gescheiterte Millionentransfer nach China hatte wohl Nachwirkungen. Er ist auch nicht mehr das Liebkind der Fans. "Außenstehende wolle da etwas reinhauen, speziell die Engländer. Ich bin glücklich, bei West Ham zu sein."

Arnautovic hat sich mit Polen beschäftigt, er weiß über die Stärke der Offensive Bescheid. Trotzdem lehnt er es ab, eine Hymne auf Robert Lewandowski anzustimmen. "So etwas mache ich nicht. Ich werde meine Mitspieler und mich mitreißen, wir geben 110 Prozent." Alaba sprach über Lewandowski, seinen Klubkollegen bei Bayern München. "Er ist absolut zielorientiert, ist einer der weltbesten Stürmer. Er hat den unbändigen Willen, Tore zu schießen. Aber wir werden uns etwas einfallen lassen."

Brexit

Alaba hatte zuletzt mit einer Sehnenreizung beim Ischiasnerv zu kämpfen, die in den Oberschenkel ausstrahlte. "Es ist okay." Arnautovic sagte noch, dass die Fußballwelt unberechenbarer geworden sei. Teamchef Franco Foda hat ihm versichert, nahezu ewig auf ihn setzen zu wollen. "Er macht das sicher nicht wie Joachim Löw bei Müller, Hummels und Boateng. Diese Abschiede waren stillos."

Da Arnautovic in London lebt, könnte er sich mit dem Brexit beschäftigen. Er lehnt das strikt ab. "Beim Brexit kenne ich mich nicht aus. Aber die Engländer kennen sich ja auch nicht aus." (Christian Hackl, 19.3.2019)