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"Game of Thrones": Ich mag dich einfach nicht mehr so

15. April 2019, 06:00

Liebe Lieblingsserie, es tut mir leid, aber es ist vorbei, und ich glaube, es liegt an dir

Wer nichts über "Game of Thrones" wissen will, hört bitte jetzt auf zu lesen. Allen anderen erzähle ich gern, warum ich nicht traurig bin, dass die Serie endet.

Fantasy ist nichts für mich. Es hat mich schon "Herr der Ringe" null interessiert. Aber okay, eine Folge kann ich mir ja anschauen, dachte ich mir. Und dann war es um mich geschehen. "Game of Thrones" hatte mich an der Angel. Es war magisch, aber nicht wegen Zauberkräften und Fabelwesen, sondern weil hier eine Geschichte erzählt wird, die sich tief in die Gehirnwindungen gräbt und die mich nicht mehr losließ. Da war der gute König, der morden muss, weil er gerecht ist. Geschwister, die auch ein Liebespaar sind. Der zynische Zwerg mit dem großen Herzen. Es entstand eine Welt, in der es vor lauter Graustufen nicht möglich war, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Nun beginnt am Montag der Anfang vom Ende. Die erste Folge der letzten Staffel von "Game of Thrones" ist in Österreich auf Sky abrufbar.

Macht, Familie, Liebe

Sieben Staffeln lang stellen sich in Westeros im Grunde dieselben zwei Fragen: Wer sitzt am Ende auf dem Eisernen Thron? Und: Gibt es diesen Thron noch? Denn die Welt wird von einer noch größeren Gefahr bedroht. In den ersten Staffeln war es eher die erste Frage, die uns bewegte. Wir sahen klassische Machtspiele, Familiendramen und Liebesgeschichten. Es blieb spannend, weil es unvorhersehbar war. Wer gegen wen? Oder besser: Wer warum gegen wen? Das waren die Fragen, die mich weiter zuschauen ließen.

Ins richtige Nerdfantum bin ich aber nie abgetaucht. Einmal habe ich versucht, die Wartezeit auf die nächste Staffel mit dem Buch von George R. R. Martin zu verkürzen. Aber auch nur, weil mir ein Freund, der die Bücher gelesen hat, erzählt hat, dass etwas Urarges passieren wird. Gemeint war "The Red Wedding", aber ich habe das Buch nicht gepackt. Zu detailliert. Zu langsam. So verliebt war ich dann wohl doch nicht.

Auseinandergelebt

Und dann ist so in der fünften, sechsten Staffel irgendwas passiert. Die Welt in Westeros war nicht mehr so neu, nicht mehr so überraschend. Okay, ja, als Cersei die ganze Stadt abfackelt, das war schon Wahnsinn. Aber der Zauber des Anfangs war verflogen. Das kann damit zu tun haben, dass die Drehbücher seit dem Ende der fünften Staffel nicht mehr auf den Büchern von George R. R. Martin basieren – muss aber nicht.

Durch die letzten Staffeln habe ich mich durchgekämpft. Auch aus Respekt, weil ich das Ende dieser großen Erzählung nicht verpassen will. Aber ich weiß jetzt schon, ich werde vom Ende enttäuscht sein. Entweder weil es den Anfängen nicht gerecht wird. Oder weil es kein Happy End sein darf – das sich die Romantikerin in mir insgeheim wünscht. (Michaela Kampl, 15.4.2019)

Mehr zu "Game of Thrones" können Sie im neuen STANDARD-Podcast Serienreif hören. Anya Antonius, Michaela Kampl und Daniela Rom spekulieren über das Ende:

Und verpassen Sie nicht unser Live-Viewing! Am 15. April schauen wir, wenn Sie mögen, mit Ihnen gemeinsam die erste Folge der achten Staffel – um Punkt 20 Uhr. Seien Sie live dabei!