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Europas Durst nach Palmöl fördert Abholzung tropischer Regenwälder

15. April 2019, 12:31

Europa importiert 65 Prozent der pflanzlichen Rohstoffe für Nicht-Lebensmittel. Besonders groß ist die Nachfrage nach Palmöl

Palmöl und Soja lassen zunächst an Ernährung denken – dabei sind diese Agrarerzeugnisse von Kosmetika über Treibstoffe bis zu Bio-Strohalmen auch in zahlreichen anderen Produkten enthalten. Einer aktuellen Studie zufolge bezieht Europa rund 65 Prozent der pflanzlichen Rohstoffe für Produkte, die nicht der Ernährung dienen, aus anderen Erdteilen.

Besonders gefragt für die europäische Produktion sind Pflanzenöle – etwa Palmöl: 6,3 Millionen Hektar (etwa drei Viertel der Fläche Österreichs) werden hauptsächlich in Asien rein für den europäischen Bedarf bewirtschaftet, der Bedarf steigt. Die hohe Nachfrage macht vor allem tropische Regionen zu den stärksten Lieferanten.

Steigender Bedarf

Ein internationales Forscherteam um Martin Bruckner von der Wirtschaftsuniversität Wien untersuchte nun die Herkunft der landwirtschaftlichen Rohstoffe für in Europa konsumierte Produkte. Wie die Wissenschafter im Fachblatt "Environmental Research Letters" schreiben, verbraucht allein Österreich jährlich 935.000 Tonnen an pflanzlichen Rohstoffen aus dem Ackerbau für die Herstellung von Produkten, die nicht der Nahrung dienen.

Insgesamt zeigte sich: Europa benötigt Ressourcen weit über seine Grenzen hinaus. Rund 65 Prozent der verarbeiteten pflanzlichen Rohstoffe stammen von anderen Kontinenten – vielfach aus tropischen Regionen. Im Ernährungsbereich ist der Bedarf Europas an ausländischen Rohstoffen zwar tendenziell ebenfalls steigend, aber mit 15 Prozent deutlich niedriger.

Baumwolle und Palmöl

Die meisten pflanzlichen Rohstoffe stammen aus Asien, nach Baumwolle (1,7 Millionen Hektar aus Indien, China und Pakistan) steht dabei Palmöl an zweiter Stelle: Etwa 6,4 Milliarden Liter – geerntet auf einer Fläche von rund 1,6 Millionen Hektar jährlich – werden entweder unverarbeitet oder in Form von verarbeiteten Gütern meist aus Indonesien oder Malaysia nach Europa gebracht. Hier wird es etwa für Biodiesel, Reinigungsmittel, Seifen, kosmetische Produkte oder Kerzen verwendet.

Zudem liefert Asien Kautschuk von rund 1,3 Millionen Hektar Anbaufläche und Kokosöl von 0,7 Millionen Hektar. 1,2 Millionen Hektar der Ackerflächen Asiens werden für die Viehzucht zur Herstellung von Leder und Wolle für den Konsum in Europa genutzt, heißt es in der Studie. Aus den USA wird maisbasiertes Ethanol nach Europa importiert, vor allem zur Beimengung zu Benzin.

Politik stärker gefordert

Die massive Ausweitung an Ölpalmplantagen fördert die Abholzung natürlicher tropischer Wälder. "Die starke Entwaldung führt zu einer hohen Freisetzung an Treibhausgasen – wir sehen, dass die Rodungen südostasiatischer Wälder bis zum Jahr 2002 sogar mehr Emissionen als chinesische Kohlekraftwerke im selben Zeitraum verursachten. Zudem zeigen sich erschreckende Verluste an Biodiversität", sagte Martin Bruckner.

Der Umstieg von Palmöl auf heimischen Raps sei allerdings keine globale Lösung, so der Forscher: "Für die gleiche Menge an Öl bräuchten wir in Europa dreimal so viel Fläche, die Folge wären höhere Treibhausgasemissionen und Biodiversitätsverluste. Nur durch eine starke Reduktion unseres Konsums können die Ökosysteme unseres Planeten effektiv geschützt werden."

Die derzeit von der Politik gesetzten Schritte greifen laut Bruckner und Kollegen zu kurz: "Wir sehen, dass einige umweltpolitische Maßnahmen eher Probleme verlagern, als sie zu lösen. Beispielsweise führte die Biokraftstoffverordnung zwar einerseits zu verringerten CO2-Emissionen im heimischen Verkehr, verursachte aber ein ungeahntes Ausmaß an globaler Entwaldung und somit die Zerstörung wertvoller Ökosysteme. Die derzeitige Richtlinie zum Verbot von Einweg-Plastik lässt ähnliches befürchten", so Bruckner. (red, 15.4.2019)