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Christian Thielemann als Kunstsammler

20. April 2019, 08:00

Der Dirigent hat ein Faible für Ostpreußen und Schmuck, shoppt jährlich in Salzburg, manchmal auch in Wien

Diskretion ist im Kunsthandel bekanntlich oberstes Gebot. Die Käufer eines Objekts mögen noch so prominent sein, ihre Identität wird in der Regel eisern verschwiegen. Es sei denn, sie plaudern irgendwann aus dem Nähkästchen.

Beispielsweise im Umfeld des Dorotheums: Seit dem Jahr 2013 leistet sich das österreichische Auktionshaus ein Magazin (My Art Magazine), über das zweimal jährlich Berühmtheiten unter den hauseigenen Klienten vor den Vorhang gebeten und die Vorlieben der jeweiligen Covergirls und -boys publiziert werden.

Christian Thielemann beim Besuch der "Art & Antique" am Messestand von Christian Eduard Franke-Landwers vergangenen Freitag.
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Whoopi Goldbergs Affenkapelle

Auf diese Weise wurde schon der Regisseur und Drehbuchautor Michael Haneke als Stammkunde für Bilder und Möbel des 17. und 18. Jahrhunderts geoutet und Whoopi Goldberg der Liebhaberei von historischem Glas und Porzellanfigürchen "überführt". Zu den Wien-Souvenirs der amerikanischen Schauspielerin gehört etwa ein 21-teiliges Ensemble der legendären Affenkappelle Meißener Herkunft, die sie als Tischdekoration auf dem Dinner-Table zu verteilen pflegt. Wie schon am Hofe Ludwigs XIV. dienen sie als klassische "conversation pieces" der Unterhaltung der Gäste.

Im Dorotheum ersteigerte der Dirigent 2001 diese 1830 in der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin gefertigte Veduten-Tasse mit der Ansicht von Schloss Friedrichstein.
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In der aktuellen Ausgabe gewährt jetzt Christian Thielemann, der "sich selbst lieber als Kapellmeister denn als Dirigent" bezeichnet, Einblick in seine private Passion als Kunstsammler. Sie ist seit vielen Jahren – nicht nur, aber schwerpunktmäßig – mit einem Faible für Preußen, genauer Ostpreußen, verknüpft.

Thielemanns Hang zu Ostpreußen

Gemeinsam mit dem Kunsthistoriker Kilian Heck erforschte er einige Jahre lang die wechselhafte Geschichte Schloss Friedrichsteins: des im Jänner 1945 von der Roten Armee in Brand gesetzten Familiensitzes der Grafen von Dönhoff, wo einst auch die Zeit-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff geboren wurde, die Thielemann für ein Buchprojekt begeistern konnte.

Das Ergebnis war eine historische Rekonstruktion des "prächtigsten aller Schlösser Ostpreußens", die 2006 (Deutscher Kunstverlag, München) erschien. Während seiner Recherchen "stolperte" Christian Thielemann 2001 über eine vom Dorotheum offerierte Veduten-Tasse mit einer fein gemalten Ansicht von Friedrichstein, gemäß der Zeptermarke um 1830 in der Königlichen Porzellan-Manufaktur (KPM) in Berlin gefertig. Für 1750 Euro wanderte sie in seinen Besitz.

Schmuck für Mutti

Seinem Interesse für historische Stadtansichten folgend, ersteigerte er weiters 2016 in Wien für rund 69.000 Euro ein Gemäldepaar mit der südlichen Ansicht des Berliner Schlosses und des Berliner Doms von Carl Traugott Fechhelm aus dem Jahr 1768. Er sei ein Lustkäufer, wie er im Interview verrät. Sein Jagdrevier umfasst aber Museen und Galerien, um "etwas Hübsches anzugucken, damit du nicht so ein Fachidiot bist – und dann bist du auch besser in der Musik!"

In Salzburg, wo parallel zu den Osterfestspielen stets die "Art & Antique" stattfindet, gehört er zu den Stammkunden, bestätigt Christian Eduard Franke-Landwers aus Bamberg, der auf historisches Mobiliar spezialisiert ist. So auch heuer. Zu seinen Erwerbungen will sich keiner der Aussteller äußern. Nur so viel: Ein Schmuckstück für seine Mutter kaufte er noch jedes Jahr. (Olga Kronsteiner, 20.4.2019)

Vom Käufer zum Coverboy: In einem Interview für das hauseigene Magazin des Dorotheums outet der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden und künstlerische Leiter der Salzburger Osterfestpiele seine Passion. Online-Version: http://www.flipmag.com/swf/qGrOmLR3Ef
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