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Das Verteilerzentrum im Erdgeschoß

19. April 2019, 10:44

Online zu bestellen ist leicht – das Paket dann aber zu bekommen ist nach missglücktem Zustellversuch nicht immer einfach

Das Problem kennen viele: Das heißersehnte Paket des Online-Händlers kommt an – aber niemand ist zu Hause. Der Zustelldienst läutet bei ein paar Nachbarn an, hinterlässt einen gelben Zettel – und nimmt das Paket wieder mit. Es muss dann oft umständlich – und während der für Berufstätige oft nicht machbaren Ladenöffnungszeiten – in einem mehr oder weniger nahe gelegenen Shop abgeholt werden.

"Es gibt ein Last-Mile-Problem, vor dem alle Verteiler stehen", sagte Mathias Mühlhofer, Vorstand der Immobilienrendite AG, vor kurzem bei einem Pressegespräch. Bei dieser "Last Mile" handelt es sich um die letzten Kilometer, die von der Lagerhalle am Stadtrand zu den Empfängern zurückgelegt werden müssen.

Ungenutzte Erdgeschoße

Die Lösung könnte aus Sicht der Immobilienrendite AG in kleinen Nahverteilerpunkten in derzeit noch ungenutzten Erdgeschoßen in der Stadt liegen. Viele dieser Lokale in B-Lagen seien zu laut oder zu dunkel für eine Wohn- oder Geschäftsnutzung. Mühlhofer wünscht sich hier mehr Local Storages, von denen die Waren ausgeliefert werden können. Auch Abholstationen sind denkbar, wo Pakete mittels Code abgeholt werden können.

Zehn Local Storages betreibt die Immobilienrendite AG bereits in Erdgeschoßzonen, ein elfter Standort soll demnächst dazukommen. Das Segment boomt: Insgesamt gibt es laut Unternehmenserhebungen in der ganzen Stadt bereits hundert solcher Standorte. "Und Potenzial gibt es sicher noch zwei- bis dreimal so viel", so Markus Kitz-Augenhammer, Co-Vorstand des Unternehmens.

Privatpersonen als Kunden

Bisher werden diese Storages aber überwiegend von Privatpersonen genutzt, die ihr Kellerabteil auslagern. Ein bis zwei Quadratmeter würden vielen da schon reichen, so Mühlhofer. Das kostet 30 Euro aufwärts.

Aber auch kleinere gewerbliche Mieter haben das Auslagern der Logistikflächen schon für sich entdeckt: Ein Fernsehhändler etwa, der seine Produkte nur noch ins Storage liefern lässt – und, sobald er ein Gerät in seinem Geschäft ums Eck verkauft, einen Mitarbeiter in seinen Lagerraum schickt.

Viele Händler würden ihre Lagerbestände reduzieren, um Kosten zu sparen – die Logistik-Hubs seien für sie eine Lösung, so Mühlhofer. Die Bewohner der Häuser würden die Storages nicht stören – auch wenn mit mehr gewerblichen Mietern auch mehr Lieferautos vorfahren könnten: "Es ist besser, als wenn jeder Lieferant alle Häuser in der Nachbarschaft ansteuert", so Mühlhofer. Auch Einbrüche und Vandalismus seien in den Storages kein Thema. "Unser einziges Problem war bisher, dass sich jemand eingemietet hat, um im Abteil zu wohnen", so Kitz-Augenhammer.

Was die Optik trübt

Für das Unternehmen war das Vorjahr das "erfolgreichste Geschäftsjahr" seit Unternehmensgründung vor zehn Jahren. Seither wurden über Anleihen 36 Millionen Euro von mehr als 800 Anlegern eingesammelt. Elf Millionen seien bereits zurückgezahlt worden. Die Mieteinnahmen lagen 2018 bei 3,6 Millionen Euro.

Was die Optik trübt: Vor einigen Monaten wurde gegen die Immobilienrendite AG von der Finanzaufsicht eine Anzeige bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft eingebracht. Die Vorwürfe: schwerer Betrug, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen, unrichtige Bilanzierung und Verstöße gegen die Prospektpflicht.

Bei der Immobilienrendite AG spricht man von einem "Riesenmissverständnis". Das negative Eigenkapital der Muttergesellschaft begründete Mühlhofer mit der Bilanzierung. Bis Juli prüfe ein Sachverständiger nun die Bücher, "aber wir sind höchst entspannt". (zof), 19.4.2019)