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Klang und Licht im österlichen Graz

19. April 2019, 16:59

Eine Stadt wird "übermalt": Das Grazer Festival Klanglicht bietet an drei Tagen und 19 Locations Licht- und Klangkunst

Sie kennen Ihre Stadt so gut, dass Sie die eine oder andere architektonische Kostbarkeit gar nicht mehr richtig wahrnehmen? Die Elemente Licht und Klang, kunstvoll über das gewohnte urbane Ambiente gelegt, vermögen das sattsam Bekannte allerdings mit neuer Strahlkraft aufzuladen. Der Charakter der Räume wird verändert, der Wahrnehmung generiert neue Inspiration.

In diesem Sinne ist das dreitägige Grazer Festival Klanglicht zu verstehen: Eine Stadt wird quasi "übermalt", an drei Tagen wird an 19 Locations Licht- und Klangkunst präsentiert. Und: Was vor fünf Jahren als Werbeplattform für die Grazer Bühnen ins Leben gerufen wurde, ist nun erstmals zu Ostern erlebbar.

Auch Kaufhaus dabei

Dem Grazer-Bühnen-Chef Bernhard Rinner und Kuratorin Birgit Lill standen für das Projekt heuer 600.000 Euro an Budget zur Verfügung, ab Ostersonntag geht es los, auch das Grazer Opernhaus ist dabei: Die Licht- und Klangvorstellung Transfiguration – Die Verwandlung arbeitet dabei mit der Interaktion von live gespielter Orchestermusik mit eigens inszenierter Lichtästhetik. Im Zuschauerraum des Opernhauses erlebt man das Interieur also quasi neu (an allen drei Klanglicht-Abenden).

Die Standorte wurden im Laufe der Jahre durchaus mehr: Erstmals bespielt werden etwa die Schaufenster des Großkaufhauses Kastner & Öhler. Als recht markantes Projekte dürfte sich u. a. auch die Wanderinstallation Intruders XL der australischen Künstlerin Amanda Parer erweisen: Nicht unpassend zur Osteratmosphäre werden dabei zwei aufgeblasene, von innen leuchtende Riesenhasen vor dem Rathaus und neben dem Uhrturm betören.

Auch Wurms Wagen

Auch religiöse Aspekt werden nicht übersehen: So bespielt der russische Künstler Gor Chahal mit der Klangvideoinstallation Stages/Trisvyatoe die Stadtpfarrkirche. Dabei wird die christlich-orthodoxe Gebetspraxis des Hesychasmus thematisiert.

Daneben könnte das Holographische Windspiel 3.2 des Schweizer Kollektivs ArtificialOwl Interessierte zur Murinsel locken – aber auch die Lichtinstallation For iTernity der Choreografin Katja Heitmann auf dem Karmeliterplatz hat Potenzial. Auch seltsam anmutende Mobilität ist zugegen: Erwin Wurm ist nämlich mit einem seiner eigentümlichen Lastwagen präsent. Selbiger wird beschallt und beleuchtet an der Wand des Orpheums lehnen. Weitere Beiträge kommen von Klanglicht-Stammgästen wie Ochoresotto und der Linzer Künstlerin Tina Frank. Gerechnet wird mit 100.000 Besuchern. (Ljubisa Tosic, 20.4.2019)