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Einzelhandel: Spitzenmieten in Wiener City weltweit unter Top Ten

23. April 2019, 11:21

Im "Goldenen H" werden bereits bis zu 600 Euro je Quadratmeter und Monat verlangt und auch bezahlt

Wien – Die Luxusmeile im sogenannten "Goldenen H" in der Wiener Innenstadt gehört weltweit zu den zehn teuersten Einkaufsstraßen für Shop-Mieter. Die Spitzenmieten in der Gegend zwischen Kärntner Straße, Stephansplatz, Rotenturmstraße, Graben, Kohlmarkt und Tuchlauben liegen bereits bei 600 Euro pro Quadratmeter und Monat für ausgesuchte Erdgeschoßlagen, heißt es im aktuellen Retail-Marktbericht von Otto Immobilien.

Neben dem Goldenen H zähle die Mariahilfer Straße mit in Summe 220.000 Quadratmetern (inklusive Nebenlagen) bzw. 130.000 Quadratmetern Geschäftsfläche (Kernzone) zu den wichtigsten Einkaufsstraßen Österreichs. "Die Präsenz am Standort Mariahilfer Straße ist nach wie vor ein Muss für namhafte nationale sowie internationale Einzelhändler. Häufig wird sie neben der Innenstadt als erster Standort bei Markteintritten gewählt", berichtet Patrick Homm, Teamleiter Retail bei Otto Immobilien.

Verkehrsberuhigung wirkte sich positiv aus

Die Umgestaltung der Mariahilfer Straße zur verkehrsberuhigten Zone habe im Gegensatz zu manchen Befürchtungen sogar einen Anstieg der Passantenfrequenz zur Folge gehabt. Weitere Impulse für die Einkaufsstraße erwarten die Experten von Otto Immobilien vom neuen U-Bahn-Knotenpunkt U2/U5 im Bereich Kirchengasse, von der Umgestaltung der Leiner-Filiale in ein Luxuskaufhaus sowie der Ansiedlung der ersten innerstädtischen Ikea-Filiale neben dem Westbahnhof.

Eine der expansivsten Branchen sei nach wie vor die Gastronomie, insbesondere die Systemgastronomie. "Es bilden sich auch immer mehr 'Gastro light'-Konzepte, die nicht auf eine entsprechende Abluft angewiesen sind und somit auch unkonventionellere Standorte bespielen können", betont Anton Weichselbaum, Immobilienberater für Geschäftsflächen bei Otto Immobilien.

Neue Ideen für alte Flächen

Andere Branchen würden sich allerdings sukzessive zurückziehen, was unter anderem am steigenden Onlinehandel liegt. "Vor allem Nebenlagen verloren in den letzten Jahren für den klassischen Einzelhandel etwas an Bedeutung und konnten somit nur noch mit verlängerten Vermarktungszeiten vermietet werden", berichtet Stefan Braune, Immobilienberater für Geschäftsflächen bei Otto Immobilien. Zahlreiche Start-ups entwickelten zuletzt aber dafür neue Ideen, etwa eine Hotelnutzung oder Coworking-Spaces für ehemalige Shopflächen.

Der Onlinehandel und die gestiegenen Ansprüche der Konsumenten an Service und Beratung würden viele Retailer zunehmend auch auf Omnichannel-Formen setzen lassen. "Konzepte wie 'Click & Collect', die den Onlinehandel mit dem stationären Einzelhandel verbinden, werden immer beliebter. Die Vernetzung von Online und Offline ist im Handel heutzutage kein Kann, sondern ein Muss", so Homm.

Eine neue Entwicklung sieht Otto Immobilen auch im "Retailtainment", also einer Mischung aus Retail und Entertainment. Unterhaltung und Erlebnis für die Konsumenten stehen dabei im Vordergrund, vor allem Shoppingcenter und Einkaufsstraßen müssten sich diesem Trend stellen, so der Marktbericht. (red, 23.4.2019)