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KSV-Lili: Mit linker Musik für den gesellschaftlichen Wandel

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17. Mai 2019, 14:36

Der kommunistische KSV-Lili will eine linksradikale ÖH und das allgemeinpolitische Mandat verteidigen

Babsi Ordinaireteur vom KSV-Lili antwortet auf die Aussagen der Studierenden über den KSV-Lili.
der standard

Die Sonne strahlt, es ist heiß für einen Maitag. Studierende flüchten in das kühle Hauptgebäude der Uni Wien. Zeit, sich die Anliegen der ÖH-Fraktionen an ihren Ständen anzuhören, bleibt nicht. Dabei bietet der Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) fast überfallsartig gratis Kaffee an, und schräg gegenüber zapft die Aktionsgemeinschaft (AG) Bier.

Den Stand des Kommunistischen StudentInnenverbands – Linke Liste (KSV-Lili) ohne Gratisgetränke steuert kaum jemand an. Trotzdem ist man gut drauf. Der Grund: Ein Mitarbeiter der MA 48 entsorgt gerade ein Plakat des Rings Freiheitlicher Studenten (RFS), das auf dem Boden lag. Eine der Aktivistinnen sieht lachend zu und sagt: "Schön, das erste Plakat vom RFS, das ich sehe, wird entfernt."

Die anderen Fraktionsmitglieder schmunzeln und schunkeln. Aus einem Lautsprecher schallt Ska, später die Hamburger Band Schnipo Schranke. "Linke Musik", sagt ein Aktivist. Er ist seit vier Jahren bei der Liste. Ermüdet wirkt er nicht, obwohl wenige Studierende einen Flyer mitnehmen. Seine Fraktionskollegin hat eine andere Strategie. Mit dem Satz "Wir sind die radikal Linken" verwickelt sie Studierende – mehr oder weniger interessiert – gezielt ins Gespräch.

Babsi Ordinaireteur kämpft für den KSV-Lili und für den Kommunismus.
foto: christian fischer

Gegen Türkis-Blau

Listenerste Babsi Ordinaireteur beobachtet das Geschehen vom Stand aus, auf dem Buttons, Jutebeutel, Flyer und Sticker mit dem Aufdruck "Nieder mit der schwarz-blauen Regierung" liegen. Mehr ist mit einem Wahlkampfbudget von 2.000 Euro, das die Bundes-KPÖ zur Verfügung stellt, nicht drinnen. "Uns geht es um Inhalte, nicht um Goodiebags", sagt Ordinaireteur.

Inhalte seien dem KSV-Lili auch wichtiger als Spitzenkandidaten, das schaffe Hierarchien und entspreche nicht seinem basisdemokratischen Anspruch. Die Listenerste macht einen Master in Gender-Studies an der Uni Wien. Ordinaireteur ist ein selbstgewählter Name, auf der Liste steht der männliche Passname Arved Clute-Simon. Die 26-Jährige findet es schön, dass der feministische Anspruch der Fraktion kein "cooler Slogan" sei: "Wir führen aktive feministische Politik und bringen nichtbinäre Positionen in den Uni-Alltag ein." Letztlich gehe es dem KSV-Lili um "Gleichberechtigung, Gleichverteilung, Widerstand".

Keine greifbaren Wahlziele zu liefern, dafür wird die Liste kritisiert. Ordinaireteur versucht zu konkretisieren: "Während unsere Forderungen vielleicht nicht konkret sind, ist es unsere Arbeit. Unser Angebot ist breit, wir haben spezifische Beratungen."

Uni- und Gesellschaftspolitik

Auch die politischen Ziele der Fraktion, die weit über Hochschulpolitik hinausgehen, scheinen vage: gesellschaftlicher Wandel, weg vom Kapitalismus, hin zum Kommunismus. Wie kann die ÖH das durchsetzen? Das allgemeinpolitische Mandat soll helfen. Hier nehme sich die Bundes-ÖH gerne zurück, das findet Ordinaireteur falsch: "Wir müssen uns als gesamtpolitischer Akteur in die Gesellschaft einbringen." Für die wenigsten Studierenden hörten die Probleme auf, sobald sie die Uni verlassen. "Viele Studis sind Arbeiter, queer oder in andere gesellschaftliche Kämpfe involviert", sagt sie. Uni- und Gesellschaftspolitik seien untrennbar. Anders als der ebenfalls kommunistische KJÖ würden sie daher tatsächlich in die Exekutive wollen und nicht nur Oppositionsarbeit leisten.

Inzwischen tut sich was am KSV-Lili-Stand. Der Verband kann sogar zwei Aktivisten rekrutieren. Gratiskaffee holt man sich vom Stand des VSStÖ. "Das ist ein schönes Beispiel für eine gut funktionierende Koalition", witzelt Ordinaireteur. (Allegra Mercedes Pirker, 17.5.2019)