Foto: Christian Steinbrenner

Zu haben: Wiener Villa für bestimmte Jahre

14. Mai 2019, 09:34

Das Vorjahr war ein Rekordjahr am Wiener Villenmarkt: In den Bezirken Währing und Döbling wechselten Luxushäuser um 211 Millionen Euro den Besitzer

Eine Villa, die für mehrere Generationen im Familienbesitz bleibt, wird immer seltener. Passt die Villa nicht mehr zu den aktuellen Wohnbedürfnissen – etwa, weil die Bewohner älter werden und lieber in einer kompakteren Wohnung wohnen wollen -, dann trennt man sich von ihr ganz ohne Nostalgie, berichtet Sonja Kaspar, Villenexpertin bei Otto Immobilien.

Im Vorjahr war dies bei einer Rekordzahl an Villen in den Bezirken Währing und Döbling der Fall: 73 Villen wurden in den beiden Nobelbezirken verkauft. Der Gesamtwert lag bei 211 Millionen Euro – und um fast 50 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt. Das machte 2018 zu einem Rekordjahr, wie aus dem aktuellen Villenreport von Otto Immobilien hervorgeht.

Das mittlere Preisniveau lag dabei bei 2,35 Millionen Euro. Seit 2009 ist es jährlich um durchschnittlich 7,8 Prozent gestiegen. Insgesamt gibt es in den beiden Bezirken Währing und Döbling aktuell laut Otto-Definition 3471 Villen. Es sind Ein- oder Mehrfamilienhäuser, die freistehend oder in Eck- oder Randbebauung errichtet sind. Auf der Liegenschaft darf zudem kein Wohnungseigentum begründet sein.

Firmen kaufen ein

Vermehrt würden auch Firmen Villen kaufen, sie renovieren und dann nach ein bis zwei Jahren wieder weiterverkaufen. Diese würden mitunter als regelrechtes "Gesamtkunstwerk" konzipiert, berichtet Kaspar. Teilweise würden die Villen sogar vollmöbliert den Besitzer wechseln. "Das kommt bei den Interessenten sehr gut an", sagt Kaspar. Oftmals würden diese über nur wenig Zeit verfügen. Außerdem könne man mit frisch renovierten Villen potenzielle Kaufinteressenten zumeist schneller überzeugen, heißt es im Villenreport.

Diese neu aufgeblühte Renovierungstätigkeit von Immobilienunternehmen dürfte auch einer Novelle der Wiener Bauordnung im Vorjahr geschuldet sein. Damit wurden Abrisse alter Häuser erschwert. Zuvor sei es für viele Unternehmen bei Villen vermehrt darum gegangen, wie viel Fläche auf der Liegenschaft nach einem Abriss erzielt werden könnte, so Kaspar.

Bei den Renovierungen werden Villen oftmals mit Fußbodenheizungen, einem Smart-Home-Bus-System, neuen Fenstern und Dämmung sowie einer Alarmanlage ausgestattet. Der alte Charakter bei historischen Villen bleibe aber natürlich erhalten, betont Kaspar.

Gute Infrastruktur

Wichtig sei Kunden bei der Immobiliensuche zudem die passende Infrastruktur: Gesucht würden Villen, die zwar einen großen Garten und Privatsphäre bieten, aber in der Nähe von Schulen und Kindergärten sind, "und bei denen man nicht jeden Tag das Auto zum Einkaufen braucht".

Etwas Geduld braucht man für die Suche schon: "Sechs bis zwölf Monate" dauere es in der Regel, das passende Haus zu finden, so Villenexpertin Kaspar.

Am größten ist das Angebot derzeit in Grinzing und Pötzleinsdorf. Aktuell sind 58 Villen in den beiden untersuchten Bezirken zu haben. Die teuersten Angebotspreise finden sich in Oberdöbling und Kahlenbergerdorf. Ein aktuelles Angebot: Eine 1889 erbaute Villa mit 350 Quadratmeter Wohnfläche und "Vergrößerungspotenzial" ist in Döbling um fast vier Millionen Euro zu haben.

Familien mit Kindern

Villen werden aber auch in anderen Bezirken gesucht. "Es gibt in so gut wie allen äußeren Bezirken schöne Villen", sagt Kaspar. Die Postleitzahl spiele für Käufer aber schon eine Rolle: "Es gibt am Maurer Berg Kunden, die nur dort eine Villa kaufen wollen."

Bei den Immobiliensuchenden handle es sich in der Regel um österreichische Familien mit Kindern. Wenn die Kleinen dann größer werden, beginnt die Suche vielleicht wieder von vorne. (Franziska Zoidl, 14.5.2019)