Oberösterreichische FPÖ: 137 Jahre nichts gelernt

Einserkastl |
13. Mai 2019, 18:42

Eine Regierungspartei will den ranzigen, durch die Geschichte schon längst schauerlich diskreditierten Deutschnationalismus wieder in alle Lebensbereiche hineinpressen

Odin (Wotan) ist der germanische Göttervater – und das, was Deutschnationalismus und Nationalsozialismus aus ihm gemacht haben.

Wenn sich heutzutage einer Odin nennt, so wie der oberösterreichische Maler Odin (eigentlich: Manfred) Wiesinger, dann muss man nicht lange nach den Motiven suchen. Tatsächlich ist Wiesinger Deutschnationaler mit einschlägigen Sujets (deutsche Wehrmacht, Burschenschafter etc.).

Wen sonst sollte die oberösterreichische FPÖ bzw. ihr Chef Manfred Haimbuchner als ihren Vertreter im Landeskulturbeirat nominieren? Immerhin ist Odin auch der Lieblingsmaler von Norbert Hofer.

Man kann sich an der Vorstellung erheitern, wie Odin Wiesinger den Kulturbeirat betritt und sein Veto gegen die Förderung einer feministischen Künstlerin mit den Worten Odins/Wotans einlegt: "Weichherziges Weibergezücht! So wisst denn, Winselnde, was sie verbrach, um die euch Zagen die Zähre entbrennt!"

Man kann aber auch fragen, was mit einem Land los ist, in dem eine Regierungspartei denselben ranzigen, durch die Geschichte schon längst schauerlich diskreditierten Deutschnationalismus wie vor 137 Jahren (1882: Georg von Schönerers "Linzer Programm") wieder unbelehrbar in alle Lebensbereiche, auch in die Kultur, hineinpressen will. Und ihre konservativen Partner zu feig sind, um diesen gefährlichen Unfug abzustellen. (Hans Rauscher, 13.5.2019)

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