1.500 Bundeslehrer verlassen in nächsten vier Jahren Neue Mittelschulen

16. Mai 2019, 13:32

Sollen an ihre Stamm-AHS oder -BMHS zurückgehen. NMS-Rückkehrer haben bei Einstellung Vorrang vor Berufseinsteigern

Wien – Derzeit stehen rund 1.500 Bundeslehrer, die eigentlich für den Unterricht an AHS und BMHS (berufsbildende mittlere und höhere Schulen) ausgebildet wurden, an Neuen Mittelschulen (NMS) in der Klasse. Das Bildungsministerium will, dass diese innerhalb von vier Jahren abgezogen und an ihre Stammschulen zurückgeschickt werden. Die Rückkehrer haben dabei Vorrang vor "frischen" Lehramtsabsolventen.

Laut Berichten von "Kleiner Zeitung" und "Salzburger Nachrichten" soll es deshalb in der Steiermark angesichts von fast 300 zu erwartenden NMS-Rückkehrern eng werden für Uni-Absolventen, die an einer AHS oder BMHS beginnen wollen. Es ist gar von einem Aufnahmestopp die Rede. Im Bildungsministerium spricht man gegenüber der APA indes nur von einer vorübergehenden Pause bei der Aufnahme, um den eigentlichen Bedarf zu klären. Generell gehe man für ganz Österreich davon aus, dass es angesichts der Pensionierungswelle bei Lehrern ausreichend Bedarf an NMS-Rückkehrern und Junglehrern gebe.

Mehrkosten verringern

In Salzburg hofft die Bildungsdirektion (früher Landesschulrat) laut "Salzburger Nachrichten", das Problem mit Pensionierungen und dem Abbau von Überstunden lösen zu können. In Wien sind derzeit laut Bildungsdirektion nur verhältnismäßig wenige Bundeslehrer an NMS im Einsatz, von denen nun über vier Jahre hinweg jedes Jahr 25 Prozent abgezogen werden sollen. Die Zahl der Rückkehrer sei damit nicht so groß, dass man automatisch einen Aufnahmestopp brauche, so ein Sprecher zur APA.

Das Ministerium hatte Anfang April den Bildungsdirektionen den Abzug der Bundeslehrer von NMS nahegelegt. Immerhin entstünden dadurch Mehrkosten von zehn Millionen Euro pro Jahr, weil Bundeslehrer mehr verdienen als ihre beim Land angestellten Kollegen an den NMS und Reisekosten beim Pendeln zwischen Stammschule und NMS entstehen. Dazu kommt noch das Argument, dass es sich ohnehin um ein Auslaufmodell handelt: Immerhin gibt es mittlerweile eine einheitliche Ausbildung für Lehrer aller Schultypen und auch ein gemeinsames Dienstrecht.

Gehaltseinbußen befürchtet

Ursprünglich sollten durch den Einsatz von Bundeslehrern beim Team-Teaching die NMS-Schüler vor allem in Deutsch, Mathematik und Englisch besser gefördert und damit als Schritt in Richtung Gesamtschule die Bildungswegentscheidung nach hinten verschoben werden – ein politisches Ziel, das es unter der ÖVP-FPÖ-Regierung allerdings nicht mehr gibt. In der Praxis war zuletzt nur jeder vierte Zusatzlehrer tatsächlich ein Bundeslehrer.

AHS-Lehrergewerkschafter Herbert Weiß (Fraktion Christlicher Gewerkschafter) vermutet in den "Salzburger Nachrichten", dass viele AHS-Lehrer gerne in der NMS bleiben würden. Das sei allerdings nur mit neuen Arbeitsverträgen und damit dem Wechsel in ein anderes Dienstrecht und Gehaltseinbußen möglich. (APA, 16.5.2019)