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Silberstein bestreitet Beteiligung an Ibiza-Video

20. Mai 2019, 17:59

Tal Silberstein gilt als Meister des Dirty Campaigning und wurde auch in der Ibiza-Causa immer wieder genannt

Ein Name taucht im Zuge der Ibiza-Affäre immer wieder auf: Tal Silberstein. So auch bei Kanzler Sebastian Kurz: "Die Methoden erinnerten klarerweise an die von Tal Silberstein", sie seien "verachtenswert". Auch FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker fühlt sich an die "sattsam bekannten, schmutzigen Silberstein-Methoden" erinnert. Wer ist dieser Mann, und wieso steht er im Verdacht, hinter dem Skandal zu stecken?

Silberstein (50), ein für Negativkampagnen bekannter israelischer Wahlkampfmanager und Politikberater, sorgte schon 2017 für Aufregung in Österreich: Damals arbeitete er im Auftrag der SPÖ – bis herauskam, dass er hinter einer Kampagne gegen ÖVP-Kandidat Kurz steckte. Auf sein Anraten hin soll unter anderem die Facebook-Seite "Die Wahrheit über Sebastian Kurz" erstellt worden sein. Ziel: FPÖ-Sympathisanten davon abzuhalten, die ÖVP zu wählen; mit Beiträgen, die Kurz als Befürworter von Merkels Flüchtlingspolitik darstellten, und mit Hinweisen, der ÖVP-Chef wolle mit der SPÖ koalieren. Und eine andere Facebook-Seite ("Wir für Sebastian Kurz") versuchte, liberale Wähler abzuschrecken. Dort wurde Kurz ins rechtsnationale Eck gestellt. Man ließ etwa darüber abstimmen, ob der Islam zu Österreich gehöre.

"Schwerer Fehler"

Als Medien den Fake aufdeckten, nannte SPÖ-Kandidat Christian Kern die Zusammenarbeit mit Silberstein einen "schweren Fehler" und wollte von der Kampagne nichts gewusst haben. Die SPÖ landete – wie bekannt – auf der Oppositionsbank. Kurz darauf wurde Silberstein in seiner Heimat Israel vorübergehend – zusammen mit Diamantenhändler Beny Steinmetz – festgenommen. Der Vorwurf: Geldwäsche in Millionenhöhe, Bestechung und Urkundenfälschung. Die Ermittlungen laufen.

Und das Video von Ibiza? Das wurde just zu jener Zeit gedreht, in der auch die Kampagne gegen Kurz lief: im Sommer 2017. Ein Zufall? "Ich schwöre, der Silberstein und ich haben nichts damit zu tun. Wenn dem so wäre, wär ich schon geplatzt vor Stolz", twitterte schon Freitagabend Politikberater Peter Puller, der 2017 mit Silberstein hinter der Schmutzkampagne steckte und der 2018 von Journalisten mit Silberstein in der Wiener City gesehen wurde.

Der israelische Berater und Wahlkampfmanager Moshe Gaon hält es für nicht unwahrscheinlich, dass ein politischer Stratege das Video in Auftrag gegeben haben könnte – Wahlkämpfe würden schließlich meist schmutzig geführt, seien selten fair und lägen manchmal in der Grauzone zwischen legal und illegal. "Wahlkampf erinnert sehr oft an Krieg, was die Strategien, die Taktiken und den Kampf gegen Gegner betrifft." Dahinter steckten oft Profis, etwa Exgeheimdienstler.

Und der Auftraggeber? Silberstein? Eher nicht, vermutet Gaon, der mit Silberstein unter anderem als Berater des israelischen Expremiers Ehud Barak zusammengearbeitet hat. "Die Frage ist, wer profitiert am meisten davon: die Medien? Geschäftsleute? Geht es um Rache?"

Silberstein selbst bestritt am Montagabend, mit dem Ibiza-Video zu tun gehabt zu haben. "Ich lehne diese falschen und grundlosen Anschuldigungen gegen mich ab", sagte der zum Magazin "Datum".

Was er heute tut, das ist unklar. Manch einer munkelt, er arbeite weiterhin als Berater, allerdings nicht mehr in der Politik. (Lissy Kaufmann aus Tel Aviv, 20.5.2019)