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Glühbirnen "zum Aufziehen" bringen Licht in Regionen ohne Strom

8. Juni 2019, 11:00

Manuell aufladbare Lampen werden immer effektiver – wenige Minuten Aufziehen reichen, um über Stunden eine Lichtquelle zu haben. Auch ein mobiles Solarpanel hilft

Man kann sich durchaus fragen, wieso es 2019 noch immer manuell aufladbare Lampen braucht. Immerhin sind nicht nur fast überall Steckdosen zu finden, Solarpanele weit verbreitet, und notfalls helfen batteriebetriebene Geräte aus. Tatsächlich aber haben immer noch knapp eine Milliarde Menschen weltweit keinen konstanten Zugang zu Elektrizität und Batterien – und Solaranlagen sind für viele Menschen schlicht zu teuer oder einfach nicht verfügbar.

Eine Sekunde lang gezogen, schon hat man Licht für eine Minute.
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Now Light möchte diesem Problem etwas entgegensetzen und Menschen in den reicheren Ländern mit guter Stromversorgung zusätzlich Komfort bieten. Das Unternehmen hat einen aufziehbaren Dynamo entwickelt, der sehr viel effizienter sein soll als etwa bereits existierende aufziehbare Taschenlampen. Wer einmal an der Schnur des Dynamos zieht, hat dumpfes Licht für eine Minute. Wer eine Minute lang zieht, kann sich über immerhin drei Stunden Licht freuen oder seinen Handyakku so weit laden, dass er wieder für ein rund 20-minütiges Mobilfunkgespräch hält.

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Um den Akku vollständig zu laden, muss man allerdings schon 25 Minuten an der Schnur ziehen – oder aber man nutzt das optional bestellbare Solarpanel und legt dieses für rund fünf Stunden in die Sonne. Dann gibt es auf der niedrigsten von sechs Helligkeitsstufen 120 Stunden lang Licht, auf der höchsten immerhin sechs Stunden – oder für die, die ihre Prioritäten anders verteilen, eine volle Smartphone-Ladung.

Variable Einsatzmöglichkeiten

Die Entwickler sehen Einsatzmöglichkeiten vor allem beim Campieren in der Natur, beim gemütlichen Beisammensein auf der Terrasse oder als Lichtquelle bei Stromausfällen. Auch in Krisengebieten und Flüchtlingscamps soll die Beleuchtungsalternative künftig eingesetzt werden.

Now Light kann nicht nur als fixe oder mobile Lichtquelle, sondern auch als Ladegerät für Mobiltelefone genutzt werden. Wer möchte, kann sich dabei von der Sonnenenergie unterstützen lassen.
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Mehr als 9.000 Prototypen wurden bereits in Notaufnahmestellen des Roten Kreuzes in Afrika verschifft und getestet. Momentan versuchen die Entwickler mittels Kickstarter-Kampagne weitere Abnehmer zu finden. Produziert werden soll, wie bereits bei Vorläufermodellen, unter anderem in Kenia.

Das Innenleben.
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Es gibt Packages, bei denen beim Erwerb eines Now Light automatisch eines, zehn oder hundert Stück an bedürftige Familien verschickt werden. Kostenpunkt für eine Lampe: rund 70 Euro. Ausgeliefert werden soll im Sommer. (faso, 4.6.2019)