Foto: Innsbrucker Nordkettenbahnen

Innsbruck arbeitet an Öffi-Lösungen für Mountainbiker

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12. Juni 2019, 07:00

Nach dem Totalverbot für Downhiller in den Linien der Verkehrsbetriebe und in der Hungerburgbahn sollen nun stufenweise Transportkapazitäten geschaffen werden

Innsbruck – Und sie bewegen sich doch. Nachdem die Innsbrucker Verkehrsbetriebe (IVB) und die Nordkettenbahnen im Frühjahr den Transport von Mountainbikern, die als Downhiller eingestuft werden, untersagt haben, arbeitet die Stadt nun in Kooperation mit diesen Partnern sowie der lokalen Bikerszene an Lösungen. Rechtzeitig zum Stopp der Crankworx World Tour diese Woche in Innsbruck werden nun die Verbote schrittweise gelockert.

Seit 1. Juni werden in der Buslinie J, die zwischen Hungerburg und Patscherkofel verkehrt, wieder bis zu sechs Biker pro Fahrt zugelassen. Die IVB arbeiten bereits daran, lückenlos alle Busse auf dieser Strecke mit den zum Biketransport nötigen Heckträgern auszustatten. Als Bedingung für die Mitnahme von Downhillern werden saubere Fahrräder genannt. Zudem sind Vollvisierhelme im Bus abzunehmen, und die Gänge im Fahrzeug dürfen nicht mit Rädern verstellt werden.

Regeln für Biker-Mitnahme

Um künftig Konflikte zu vermeiden, soll an den stark frequentierten Einstiegsstellen ein Ordnungsdienst für den reibungslosen Ablauf sorgen. Die Mitfahrerlaubnis für als Downhiller eingestufte Biker gilt allerdings nur in Richtung Nordkette, wo sich legale Trailangebote befinden. Wer in Richtung Igls mitfahren möchte, muss sich dafür als Anrainer ausweisen.

Auch die Stubaitalbahn, also die Tram, die von Wilten aus ins Stubaital verkehrt und dabei den Bikepark Innsbruck in Mutters passiert, nimmt seit 1. Juni wieder Downhiller mit. Es gelten dieselben Bedingungen hinsichtlich Platz und Sauberkeit wie auf der Linie J. Biker, die jünger als 14 Jahre alt sind, müssen übrigens in Begleitung eines Erwachsenen unterwegs sein, um befördert zu werden.

Nordkettenbahnen führen Zeitregelung ein

Die Nordkettenbahnen werden ab 13. Juni, also ab Donnerstag, wieder "Downhiller" in der Hungerburgbahn mitnehmen. In der Standseilbahn, die vom Stadtzentrum auf die Hungerburg führt, war es im Frühjahr zu zwei Zwischenfällen mit ein und demselben Radfahrer gekommen, der nach Auseinandersetzungen Bahnmitarbeiter tätlich angegriffen hatte. Die Nordkettenbahnen untersagten daraufhin allen "Downhillern" bis auf weiteres den Transport in der Hungerburgbahn.

In Absprache mit der Stadt Innsbruck, dem Tourismusverband und den IVB sei man nun zu einer für alle zufriedenstellenden Lösung gekommen, heißt es seitens der Bahn-Geschäftsführung. So werden Fahrräder – alle, nicht allein Downhill-Bikes – künftig täglich vor 10 Uhr und dann wieder nach 15 Uhr in der Hungerburgbahn transportiert. Pro Fahrt werden maximal vier Räder mitgenommen, also höchstens eines pro Kabine. Die fünfte Kabine der Bahn wird auch weiterhin fahrradfrei geführt, da sie barrierefrei zugänglich ist und Rollstühlen sowie Kinderwägen vorbehalten bleibt.

Fahrräder ab 2020 nur mehr gegen Gebühr

Um Konflikte künftig zu vermeiden, werden auch die Nordkettenbahnen über den Sommer einen Mitarbeiter bei der Station Congress abstellen, der für einen reibungslosen Zustieg der Biker sorgen soll. Wie auch bei den IVB gilt auch in der Hungerburgbahn: Vollvisierhelme müssen während des Transportes abgenommen werden. Seitens der Nordkettenbahnen hofft man, damit eine praktikable Lösung gefunden zu haben, die allen Nutzern entgegenkommt. Ab 2020 will man für Fahrradtransport auf die Hungerburg oder die Seegrube eine Gebühr einheben.

Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi (Grüne) zeigt sich erleichtert, dass der Nutzungskonflikt vorerst entschärft werden konnte: "Vom Miteinander aller Beteiligten gemeinsam mit Vertretern der Bikeszene, die in die Verhandlungen eingebunden sind, verspreche ich mir eine gute Lösung." Die Szene selbst, die in Form der Initiative MTB Innsbruck in die Verhandlungen eingebunden ist, gibt sich ebenfalls vorsichtig optimistisch.

Man arbeite bereits an Shuttle-Lösungen, die es Mountainbikern aus dem Stadtgebiet erleichtern sollen, zu den legalen Trailangeboten rund um Innsbruck zu gelangen. Die Stadtführung hofft, dass solche Zusatzangebote schon im diesjährigen Sommer verfügbar sind. (Steffen Arora, 12.6.2019)