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Teure 5G-Tarife ohne 5G: Der neue Marketing-Schmäh der Mobilfunker

12. Juni 2019, 09:47

Neue Mobilfunktechnik ist voraussichtlich erst im kommenden Jahr nutzbar

Die aktuelle Marketingstrategie mancher Mobilfunker ist recht einfach gestrickt. Sie kann mit "Irgendwas mit 5G" beschrieben werden. Schon Anfang Mai stellte Magenta (T-Mobile) seine 5G-Ready-Tarife vor, am Dienstag zog nun A1 nach und brachte einen Tarif für "5G-Feeling" an den Start. Die Angebote haben allerdings mit 5G wenig zu tun. Wie auch – frühestens in einem Jahr wird es erste Netze der neuen Mobilfunkgeneration geben, die auch von Konsumenten genutzt werden können. "Im Laufe des Jahres 2020 werden alle Landeshauptstädte an das 5G-Netz angeschlossen. 2025 soll 5G flächendeckend in Österreich verfügbar sein", erklärt A1 dazu auf seiner Homepage.

Dazu kommt, dass es weder 5G-Handys noch entsprechende Router in Österreich zu kaufen gibt. Zwar hat Magenta bereits ein kleines 5G-Netz an den Start gebracht, das dient aber hauptsächlich Werbezwecken und Tests.

5G im Jahr 2025

Immerhin versprechen A1 und Magenta, dass Kunden ihrer 5G-Ready-Tarife tatsächlich 5G nutzen können, sobald es verfügbar ist. In manchen Orten Österreichs also im Jahr 2025. Dazu kommt, dass die 5G-Ready-Tarife derzeit vergleichsweise teuer sind, auch wenn sie unlimitierte Daten und sehr schnelles Internet bieten. A1 verlangt für seinen 5G-Ready Datentarif 99,90 Euro im Monat, der LTE mit bis zu 500 Mbit/s und einen Router bietet. Magenta bietet seine Tarife ab 54,99 Euro feil.

Eines der ersten 5G-Handys ist das Mate X von Huawei. Ob es in Österreich auf den Markt kommt, ist unklar – seit die USA Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt haben.
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Ob die beiden Anbieter bei vielen Kunden punkten können, scheint fraglich. Auch weil es keine Garantie gibt, dass Kunden wirklich 500 Mbit/s nutzen können.

Diskonter startet Daten-Flat

Der Diskonter Hot hat vergangene Woche einen Datentarif mit 30 Mbit/s um 19,90 Euro vorgestellt. Die Geschwindigkeit reiche locker aus, um Netflix in HD sehen zu können, erklärte Hot-Chef Michael Krammer bei der Präsentation. Tatsächlich ist Video-Streaming jene Anwendung, für die viele Nutzer schnelles, unlimitiertes Internet benötigen. Hot will auch 5G anbieten, aber erst, wenn es "günstige Handys und Tarife" gibt, so Krammer.

5G als Festnetzersatz

Von 5G erwarten sich die Mobilfunker viel. Die Technik hat das Potenzial, das Festnetz zu ersetzen – besonders in ländlichen Gebieten. Sie ermöglicht erstmals den Austausch auch großer Datenmengen quasi in Echtzeit, mit einer theoretischen Geschwindigkeit von bis zu zehn Gigabit pro Sekunde. Bis 2020 wird man in Österreich davon nichts merken. (sum, 12.6. 2019)