Sardinien: Empörung über strafmildernde "sardische Herkunft"

20. März 2008, 12:57

Deutsches Gericht stufte Herkunft eines 20-jährigen Vergewaltigers als strafmildernd ein

Rom - Ein Strafurteil eines deutschen Gerichts sorgt für Empörung in Italien. Das Amtsgericht Bückeburg bei Hannover (Bundesland Niedersachsen) hat nämlich im Prozess gegen einen wegen Entführung, Vergewaltigung und Folterung seiner Ex-Freundin angeklagten 29-Jährigen dessen sardische Herkunft als strafmildernd eingestuft. Das Gericht berücksichtige den "kulturellen und ethnischen Hintergrund" des Täters, heißt es in der Begründung des auf sechs Jahre Haft lautenden Urteils mit Blick auf die Rolle von Mann und Frau in Sardinien.

Rassistisches Urteil

Das Urteil ist bereits ein Jahr alt, wurde aber erst jetzt bekannt. PolitikerInnen und Intellektuelle - nicht nur in Sardinien, sondern in ganz Italien - bezeichneten die strafmildernden Beweggründe als "rassistisch". Die bekannte aus Sardinien stammende TV-Journalistin Bianca Berlinguer prangerte das Urteil als "verrückt" an. Frauen würden auf Sardinien respektiert. Italienische Rechtsparteien meinten, die Regierung von Premier Romano Prodi müsse in Berlin protestieren.

Gericht weist Vorwürfe zurück

Gerichtspräsidentin Birgit Brüninghaus wies die Vorwürfe entschieden zurück. Sie sehe in dem Herausgreifen des umstrittenen Satzes aus einer langen Urteilsbegründung eine falsche, verzerrte Wiedergabe. Bei dem Verurteilten habe man das Strafmaß auf die Hälfte gedrückt. (APA)