Trotz Verbots lassen immer mehr Inderinnen gezielt weibliche Föten abtreiben.

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Neu-Delhi – In Indien werden zunehmend weniger Mädchen als Buben geboren. Das zeigt ein im November veröffentlichter Bericht des Innenministeriums. Demnach wurden in Indien im Jahr 2014 pro 1.000 neugeborenen Buben nur 887 Mädchen geboren. Im Jahr 2011 lag die Quote noch bei 909 zu 1.000, seitdem ging sie stetig zurück. Als natürlich gilt ein Verhältnis von ungefähr 940 zu 1.000.

Hintergrund ist die gezielte Abtreibung weiblicher Föten, ein seit langem anhaltendes Problem in Indien. Töchter bedeuten oft eine höhere finanzielle Belastung als Söhne, insbesondere für die arme Landbevölkerung. Söhne bleiben nach dem klassischen Familienbild im Haushalt der Eltern, um diese im Alter zu versorgen. Töchter kosten hingegen erst eine teure Mitgift zur Heirat und verlassen dann die Familie, um im Haushalt des Ehemanns zu leben.

Seit 1996 ist es in Indien verboten, werdenden Eltern das Geschlecht ihres Kindes mitzuteilen. Die Regelung wird jedoch immer wieder umgangen oder ignoriert.

Erst Anfang November äußerte sich auch das Oberste Gericht Indiens zu dem Thema. Es wies die Bundesstaaten an, jede Geburt eines Mädchens ohne Verzug zu registrieren. "Ein Rückgang im Geschlechterverhältnis ist Zeichen einer kolossalen Fehlentwicklung, die nicht weiter gehen darf", sagten die Richter. (APA, dpa, 30.11.2016)